Kategorien
Lissabon Reiseberichte

Kurztrip nach Lissabon – Tag 2

An dem wir in die Tiefen des Ozeans abtauchen
und leider auch zu Abend essen.

An das Frühstück kann ich mich ehrlich gesagt nicht mehr erinnern, möglicherweise schlafe ich währenddessen auch noch halb, denn wir stehen heute recht früh auf. Wir fahren hinunter ans Wasser, zum ehemaligen Gelände der Expo 1998. Dort steht nämlich eines der eindrucksvollsten Aquarien weltweit, das Oceanário de Lisboa.

Wir sind beide immer sehr für die Unterwasserwelt zu haben und deshalb nehmen Herr Sittich und ich auch das frühe Aufstehen hin, um noch vor Öffnung vor Ort zu sein. Wie sich herausstellt, lohnt sich unser Engagement, denn es sind bereits mehrere Schulklassen dort, als wir eintreffen. Glücklicherweise ist das Aquarium aber groß genug, sodass wir uns in Ruhe umschauen können. Gerade findet die Sonderausstellung eines japanischen Künstlers statt, der die Unterwasserlandschaft einiger Aquarien in unterschiedlichsten Formen und Farben gestaltet hat.
Es gibt im Aquarium viel zu sehen, unter anderem ein Gehege, in dem Vögel ohne Käfige um die Besucher herumfliegen; Seeotter, die in ihren Becken paddeln; Pinguine, deren Gehege mit echtem Eis beschickt wird und vieles mehr. Die Papageientaucher haben es uns besonders angetan – nach unserer Irlandreise kein Wunder.

Nach dem Besuch ist der halbe Tag vorbei und wir schlendern an der Promenade entlang, über die eine Seilbahn hinweg gleitet. Die Planken des Steges, auf dem wir gehen, machen einen unsicheren Eindruck; Herr Sittich ist davon überzeugt, dass sie nur aufgelegt sind und jeden Moment gemeinsam mit uns ins Meer stürzen könnten. Wir verlassen diese unsicheren Wege also schnellstmöglich und treiben uns noch ein wenig in der Stadt herum. In einem Weingeschäft lassen wir uns über portugiesische Weine belehren und kaufen schließlich auch ein paar Flaschen, darunter einen exzellenten Portwein.

Am Abend knurren unsere Mägen und wir machen uns auf den Weg in die Altstadt, wo es laut Reiseführer ein gutes Restaurant mit authentischem Essen geben soll. Der Abend ist schön und wir genießen den Spaziergang in der Wärme zwischen den engen Häuserzeilen. Das Restaurant finden wir in einem Hinterhof. Es ist noch relativ leer dort und wir vermuten, dass man in Portugal üblicherweise etwas später zu Abend isst, wie in vielen südlichen Ländern. Davon lassen wir uns aber nicht beirren.
Ich bestelle mir einen Fisch, denn ich bilde mir ein, dass man das essen sollte, wenn man schon einmal in Portugal ist. Herr Sittich wählt irgendein Fleisch und im Nachhinein hat er wohl die bessere Wahl getroffen. Zunächst aber ist die Vorfreude noch groß. Der Wirt bietet uns eine typisch portugiesische Vorspeise für nur wenige Euro an und wir stimmen zu, obwohl wir nicht ganz verstehen, was wir da bestellen. Irgendwas mit Kartoffeln glauben wir verstanden zu haben, aber sicher sind wir uns nicht.
Wir bekommen schließlich eine Schale mit frittierten Kartoffelschalen. Ich weiß bis heute nicht, ob das wirklich ein traditionelles Gericht in Portugal ist, aber aus reinem Selbstschutz hat es auch keiner von uns bisher gewagt, sich darüber zu informieren. Wie auch immer – geschmeckt haben sie leider wirklich, wie man sich frittierte Kartoffelschalen vorstellt und wir sind uns einig, dass diese Vorspeise zumindest eine kreative Art ist, um Küchenabfälle zu Geld zu machen. Wir haben nicht aufgegessen. Gleiches gilt leider auch für mein Hauptgericht, in das ich große Hoffnung gesetzt hatte in einem Land, das dem Meer so verbunden ist wie Portugal. Der Fisch ist von Gräten durchzogen, die untrennbar mit ihm verbunden sind und liegt in einer öligen Pfütze, die sich aus dem Fischinneren speist und sich ständig vergrößert.
Ich freue mich jedoch berichten zu können, dass Herr Sittich an seinem Abendessen nichts auszusetzen findet.

Unterschiedlich zufrieden machen wir uns auf den Rückweg ins Hotel. Bis wir die Altstadt wieder verlassen, haben wir uns auch einige Routine im Abweisen junger Männer erworben, die uns Drogen jeglicher Geschmacksrichtung anbieten uns so bleibt der zweite Abend in Lissabon – man verzeihe mir das plumpe Wortspiel angesichts der erlittenen kulinarischen Enttäuschung – wenig berauschend.

Viele Fische


Der Text hat dir gefallen?
Das freut mich! Dann lass gerne einen netten Kommentar da – oder einen Kaffee.

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.