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Adventskalender

Adventskalender 2020 – 13. Dezember

Es wurde Zeit für eine Pause. Der Vogel, der übrigens keine Meise und auch kein Spatz war, setzte sich auf eine Oberleitung, um sich für einen Moment auszuruhen. Ungerührt schien er auf das Panorama der sich vor ihm ausbreitenden Stadt zu blicken. Die Abenddämmerung hatte längst eingesetzt und überall in den Fenstern begannen die Weihnachtsdekorationen mehr oder weniger besinnlich zu blinken oder zu leuchten. Kalt sah es aus, der Vogel konnte schon den Schnee in der Luft riechen, der bald fallen würde. Von den Schornsteinen schlängelten sich zahllose weiße Schwaden in den Himmel hinauf und bildeten einen scharfen Kontrast zur bläulichen Abenddämmerung.
Ein paar Stadttauben rückten näher an den Vogel heran, der sie misstrauisch beäugte. Er hatte nichts gegen sie, aber an den Futterstellen der Menschen sah er sie nur ungern. Sie schlangen die kostbaren Körner in riesigen Mengen hinunter, da kam der Vogel einfach nicht mehr mit und zog automatisch den Kürzeren. Wenn er nicht aufpasste, fraßen die Tauben alles alleine. Er schälte jeden Kern sorgfältig, bevor er ihn verspeiste, aber diese grauen Riesen schluckten die Körner einfach mitsamt der Schale.

Ein Vibrieren in der Oberleitung schreckte den Vogel aus seiner Pause auf. Hier und da Funken schlagend näherte sich eine S-Bahn und sein Instinkt sagte ihm, dass nun der richtig Zeitpunkt gekommen war, sich wieder aufzuschwingen. Die Tauben sahen ihm nach, gurrten träge und dachten an nichts Besonderes.

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